Die Tierschützer auf Sardinien nennen Ihre Schützlinge melancholisch „cani di nessuno“, zu Deutsch „NiemandsHunde“, die Vorlage für unseren heutigen Vereinsnamen.
Der Verein NiemandsHunde e.V. wurde 2006 gegründet. Die Gründungsmitglieder waren zu diesem Zeitpunkt alle schon einige Jahre im Tierschutz auf Sardinien aktiv. „Unter anderer Flagge“ hatten wir uns in einem Verein zusammen gefunden, dessen Hauptanliegen ein präventives Projekt für die Katzen auf Sardinien war. Ein sehr gutes Projekt, das wir lange Zeit durch unseren ehrenamtlichen Einsatz mit getragen und unterstützt haben.
In diesem Zusammenhang lernten wir unser Partnertierheim „Il Rifugio i Fratelli Minori“ in Olbia kennen und damit hunderte Hundeschicksale. Wir setzten jede freie Minute ein, um einen Hund nach dem anderen hinter den Zäunen des Rifugio zu befreien und ein gutes Zuhause in Deutschland zu finden. Hinter jedem dieser verzweifelten Augen steckte ein ganz besonderes Schicksal, welches sie in das Tierheim der Tierschutzorganisation „L.I.D.A. Olbia“ führte.
Viele von ihnen waren einfach Streuner, andere hatten vielleicht als süße Welpen ein Zuhause und wurden entsorgt, als sie groß wurden. Wieder andere entstammen den zahllosen Jagdhund-Schmieden auf Sardinien. Alle jedoch teilen hier ein gemeinsames Schicksal. Als Abfall der menschlichen Gesellschaft fristen Sie ihr Leben in der Tristesse eines Tierheims. Die Chancen auf Sardinien adoptiert zu werden sind gleich Null. Deshalb ist die Vermittlung nach Deutschland oftmals die einzige Chance für diese Hunde.
Wenn man dieser Aufgabe nachgeht wird aber schnell klar, dass die Vermittlung von Hunden als ausschließliche Maßnahme ein Fass ohne Boden ist, das niemals leer wird. Trotz vieler Hunde, die durch uns ein Zuhause finden konnten, wurden die Gehege nicht leerer. Wir hatten den Eindruck, dass für jeden vermittelten Hund zwei neue nach kommen - und hieraus wuchs unser Interesse ein Projekt ins Leben zu rufen, das die Probleme angeht, bevor unsere Freunde hinter Gitter landen. Ein präventives Projekt, basierend auf mehr Aufklärung der Bevölkerung und vor allem auf Geburtenkontrolle durch Kastration. Der Startschuss für NiemandsHunde e.V. war gefallen.
Das italienische Tierschutzgesetz regelt den Umgang mit Tieren weitaus umfangreicher, als es in vielen anderen Ländern der Fall ist. Hierzu gehört unter anderem auch das Verbot, Hunde nach einer gewissen Zeit im Tierheim einzuschläfern. Was zunächst sehr human klingt, verbirgt für die betroffenen Hunde ein unendliches Leid.
Das Gesetz verlangt, dass alle herrenlosen Streuner eingefangen und in die zuständigen Tierheime verbracht werden. Gut bezahlte Hundefänger machen ihren Job gründlich. Die staatlich finanzierten Tierheime wachsen wie Pilze aus dem Boden - denn die Hunde werden mit einem Verpflegungssatz von durchschnittlich 1,50 Euro bedacht. Ein gutes Geschäft für die, die den Tieren möglichst wenig Platz und Versorgung zu Gute kommen lassen!
Viele Tierheime entstehen aus Profitgier und haben nichts mit dem Gedanken an Tierschutz gemeinsam. Zusammengepfercht schauen die Hunde lebenslang durch Gitterstäbe. Ohne Auslauf - im Sommer der Hitze schutzlos ausgeliefert und im Winter bis zu den Knien in Kälte und Schlamm. Sie gehen unter in der Masse und leiden körperliche wie seelische Qualen. Aber hier sind sie weit aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit, der Touristen und Verantwortlichen. Das Problem der Streuner scheint gelöst - zumindest für die Menschen.
Jegliche präventiven Maßnahmen fehlen und werden von staatlicher Seite nicht unterstützt. Und das obwohl anhand einfacher Hochrechnung schnell deutlich zu machen ist, dass es selbst in finanzieller Hinsicht besser wäre einem präventiven Ansatz nachzugehen, ganz zu schweigen von den Vorteilen für die Hunde.
die Kastration einer einzigen Hündin könnte durch die nachfolgenden Generationen hunderte neue Streuner verhindern und damit tausenfaches Leid. statt dessen wird ein System weiter verfolgt, das nicht zuletzt auch deutliche finanzielle Interessen vermuten lässt. mit einem Klick auf diese Zeilen kommen sie zu unserer Populationstabelle. sie zeigt eindrucksvoll, welches Leid wir mit jeder einzelnen Kastration verhindern können!!
Es ist gängige Praxis, dass nicht nur herrenlose Hunde, sondern in sehr vielen Fällen auch die Hunde auf den Straßen streunen, die einen Besitzer haben. Die meisten sind nicht kastriert, so dass immer neue Welpenwürfe nicht lange auf sich warten lassen.
Auf den Strassen finden die Hunde keinen Lebensraum mehr, weil die natürlichen Ressourcen an Futter und Wasser begrenzt sind. Zudem sind sie zahllosen Gefahren wie Angriffen, Hunger und Durst im täglichen Kampf ums Überleben schutzlos ausgeliefert. Viele der Hunde, die in den Tierheimen aufgenommen werden, weisen massive Behinderungen und Krankheiten auf. Viele reagieren panisch auf den Kontakt mit Menschen.
Schauen Sie in die Augen unserer Freunde und Sie werden die Notwendigkeit unserer Arbeit erkennen. Wir müssen dazu beitragen, dass dieser Kreislauf unterbrochen wird!
Langfristig helfen hier nur politisch angelegte Konzepte. Und es muss immer weiter Druck auf die Verantwortlichen ausgeübt werden, bis entsprechende Gesetze auf dem Weg sind. Allerdings finden aktuell weder in- noch ausländische Tierschützer Gehör. Die Gründe hierfür lassen sich schnell erahnen.
NiemandsHunde e.V. betreibt seit 2006 präventiven Tierschutz auf Sardinien. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Geburtenkontrolle durch Kastrationen. Aber natürlich gehört auch die medizinische Versorgung von Strassenhunden zu unseren täglichen Aufgaben. Die Tiervermittlung rundet unseren Einsatz vor Ort ab.
Unser hauptsächliches Einsatzgebiet ist die im Sommer stark durch Touristen frequentierte Küstenregion. In Arzachena (Nordostküste) und Budoni (Ostküste) ist es uns gelungen ein Netz von Helfern aufzubauen, dass die umliegenden Regionen zu weiten Teilen abdecken kann. Aber durch Projekte wie "Giuseppinas Rifugio" in Vorgola oder "Teresas Schützlinge" in Alghero haben wir unser Einsatzgebiet immer mehr erweitert. So gehen wir heute auch Notrufen aus diesen Regionen nach, die weit ab von ursprünlichen eigentlichen Einsatzgebiet liegen.
Wir gehen den Notrufen und Hinweisen nach, wann immer ein Streuner gemeldet wird oder ein Hund in Not ist.
Im Dezember 2008 haben unsere Helfer vor Ort dann einen wichtigen Schritt gewagt... Um die Akzeptanz bei den Einheimischen zu stärken und nicht als "der deutsche Verein" mit erhobenem Zeigefinger dazustehen, haben wir den sardischen Verein "Cani di Nessuno" gegründet.
Wenige Wochen später folgte die Eröffnung unsere eigenen Tierarztpraxis in Padru (Nähe Budoni und Olbia). Die einzige Praxis auf der Insel, die von einem Tierschutzverein betrieben wird.
In den Anfängen war es unser Traum, die Hunde auf den Straßen zu kastrieren, zu impfen und zu registrieren, um sie dort wieder frei zu lassen, wo sie zuvor gelebt haben. Diese Vorstellung war naiv. Denn in 99% aller Fälle ist der betreffende Hund in seinem jetzigen Lebensraum bedroht.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Mangelnde Nahrung oder Wasser, die Gefahren durch den immer mehr zunehmenden Verkehr auf der Insel oder auch einfach Einheimische die sich gestört fühlen. Diese Faktoren verhindern, dass die Hunde einen annehmbaren Lebensraum finden. Oftmals sind es auch Hotelbesitzer, die dringend dafür Sorge tragen möchten, dass die Hunde von der Straße und aus den Anlagen verschwinden, um den Touristen beim Anblick dieser armen Kreaturen die Urlaubsfreuden nicht zu trüben. Im manchen Fällen werden dann die Hundefänger gerufen - in vielen Fällen werden die Probleme auf andere Art und Weise „erledigt“.
Unsere Konsequenz ist also, dass wir anders arbeiten, als wir es uns eigentlich vorgestellt hatten. Wenn wir einen Straßenhund aufnehmen und ihn medizinisch versorgen und kastrieren lassen, dann ist seine einzige Chance auf ein weiteres unversehrtes Leben die Vermittlung in ein neues Zuhause.
Manchmal finden wir Familien vor Ort auf Sardinien für unsere Schützlinge - aber das ist eher die Ausnahme. In aller Regel stellen wir die Hunde auf unserer Homepage vor und versuchen ein geeignetes Zuhause in Deutschland zu finden. Solange werden sie bei privaten Pflegestellen auf Sardinien oder in Deutschland aufgenommen und gut versorgt.
Wir tun dies natürlich nur, wenn der Besitzer sich dazu verpflichtet im Gegenzug seine Hündin kastrieren zu lassen, um neue Würfe zu verhindern. Immer mehr Einheimische wissen von diesem Angebot und treten mit der Bitte an uns heran die Welpen zu übernehmen. Sie kaufen sich so ihr Gewissen frei - was wir gerne in Kauf nehmen, solange wir auf diesem Wege wieder neue Würfe der Hündin vermeiden können.
Dies alles geht nur in Kooperation mit unseren Partnervereinen auf Sardinien, der L.I.D.A. Olbia , sowie "Cani di Nessuno". Die Helfer vor Ort kämpfen immer wieder um die Akzeptanz der Behörden für unsere Arbeit. Denn theoretisch sind auch diese Hunde einem der Tierheime zugewiesen, mit denen die entsprechende Gemeinde eine Kooperation eingegangen sind. Ausgenommen sind hier nur die Hunde von Privatpersonen, die uns ihre Tiere direkt übereignen. Dieser Fall tritt oftmals dann ein, wenn wir anbieten ganze Welpenwürfe zu übernehmen. Unser Einsatz auf Sardinien soll im Einklang mit den Einheimischen Behörden stattfinden und vor allem mit der Akzeptanz der Bevölkerung. Es bringt nichts, mit erhobenem Zeigefinger immer wieder auf die Misstände vor Ort aufmerksam zu machen. Vielmehr müssen wir in ständigem Kontakt zu den Einheimischen und in vielen, vielen Gesprächen das Interesse für unser Anliegen wecken und auf die Unterstützung der Menschen vor Ort hoffen. Denn es geht nur miteinander - nicht gegeneinander, wenn wir langfristig eine Verbesserung der Situation erreichen wollen erreichen wollen.
Neben unserem Einsatz vor Ort, auf Sardinien, versuchen wir auch darüber hinaus auf politischer Ebene ein Umdenken zu erreichen. Neue Gesetze müssen dringend auf den Weg, damit sich die Probleme nachhaltig und langfristig lösen lassen. Gemeinsam mit vielen anderen Vereinen haben wir uns hierzu dem "Europaprojekt" angeschlossen, was wir nach Kräften unterstützen möchten. Lesen Sie hierzu mehr..
Wenn Sie Fragen zu unseren Projekten auf Sardinien haben, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Ihre Ansprechpartnerin:
Monika Bäth
Telefon 02238-9699502
Email: kontakt@niemandshunde.de
Oben auf dem Foto sehen Sie einen Welpenwurf, den wir 2007 aufgenommen haben. Traviata, die Mama der Welpen, ist die Flucht auf einem Jadgausflug mit ihrem Besitzer gelungen und sie hatte Glück! Ein tierlieber Sarde hat sie aufgenommen. Hier durfte sie ihre Welpen in aller Ruhe und gut versorgt zur Welt bringen. Er bat uns um Hilfe bei der Versorgung der kleinen Familie und vor allem bei den Kosten für Impfungen und Wurmkuren.
NiemandsHunde hat alle Kosten für die medizinische Versorgung übernommen und unsere Helferin erklärte sich bereit, alle Tierarzttermine mit der kleinen Familie zu übernehmen. Als die Welpen 12 Wochen alt waren, durfte die Familie nach Deutschland kommen, wo heute alle ein gutes Zuhause gefunden haben.
Traviata lebt heute in der Nähe von Bonn. Sie ist kastriert und wird nie wieder in ihrem Leben zur Jagd gehen müssen!